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Das Handwerk des Schreibens: Warum gute Bücher in der Überarbeitung entstehen

Der erste Entwurf ist Rohmaterial. Wie Sie ein Manuskript in mehreren Durchgängen überarbeiten, vom Aufbau des Buches bis zum einzelnen Wort.

Von der Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Gedruckte Manuskriptseiten mit Korrekturen in Bleistift.
Gedruckte Manuskriptseiten mit Korrekturen in Bleistift.Bild: mit KI erstellt

Der erste Entwurf zeigt, worum es Ihnen geht. Erst die Überarbeitung zeigt, wie Sie es so sagen, dass andere es verstehen. Wer das akzeptiert, darf beim Entwurf schneller sein und plant für die Überarbeitung genug Zeit ein.

Erst Abstand, dann Urteil

Legen Sie den fertigen Entwurf zur Seite, bevor Sie ihn überarbeiten. Ein paar Wochen Pause sind gut, ein paar Tage sind besser als keine. Mit Abstand lesen Sie, was auf der Seite steht, und nicht, was Sie gemeint haben.

Nutzen Sie die Pause. Halten Sie Beispiele fest, die noch fehlen, oder lesen Sie über ein ganz anderes Thema. Beginnen Sie die Überarbeitung dann mit einem Durchgang, in dem Sie nichts ändern. Lesen Sie nur und setzen Sie Zeichen an den Rand: ein Fragezeichen, wo Sie stocken, einen Strich, wo Sie sich langweilen. Diese Zeichen sind Ihre Landkarte für alle weiteren Schritte.

Der Blick auf das Ganze

Im zweiten Durchgang geht es um den Aufbau, noch nicht um Sätze. Fassen Sie jedes Kapitel in einem einzigen Satz zusammen und schreiben Sie diese Sätze untereinander auf ein Blatt. So sehen Sie Ihr Buch als Ganzes. Wo wiederholt sich etwas? Wo fehlt ein Schritt? Welches Kapitel steht an der falschen Stelle? Verschieben Sie Kapitel probeweise. Auf dem Blatt kostet das nur einen Pfeil.

Seien Sie hier streng. Ein Kapitel, das sich nicht in einem Satz zusammenfassen lässt, hat oft zwei Themen. Ein Kapitel, dessen Kernaussage schon an anderer Stelle steht, ist vielleicht überflüssig. Prüfen Sie auch Anfang und Ende: Weiß der Leser nach der ersten Seite eines Kapitels, worum es geht? Weiß er am Ende, was er nun tun kann?

Überarbeiten heißt vor allem: entscheiden, was der Leser nicht braucht. Das gilt für ganze Kapitel ebenso wie für Lieblingsgeschichten, an denen Sie hängen.

Satz für Satz

Erst wenn der Aufbau steht, lohnt sich die Arbeit an den Sätzen. Sonst polieren Sie Absätze, die Sie später streichen.

Gehen Sie Absatz für Absatz vor. Jeder Absatz trägt einen Gedanken, und jeder Satz ist so kurz, wie der Gedanke es erlaubt. Machen Sie aus Hauptwörtern Verben, wo es geht: „prüfen“ statt „eine Prüfung durchführen“. Schreiben Sie aktiv, damit klar ist, wer handelt. Erklären Sie jeden Fachbegriff beim ersten Auftreten und bleiben Sie danach bei diesem einen Wort. Tauschen Sie abstrakte Aussagen gegen Beispiele aus Ihrer Praxis. Achten Sie auch auf die Satzanfänge. Beginnen mehrere Sätze hintereinander gleich, stellen Sie einen davon um.

Die Suchfunktion Ihres Schreibprogramms hilft dabei. Suchen Sie gezielt nach Wörtern wie „eigentlich“, „grundsätzlich“, „gewissermaßen“ oder „durchaus“. Meist können Sie sie ersatzlos streichen.

Überarbeiten heißt vor allem: entscheiden, was der Leser nicht braucht.

Laut lesen, auf Papier lesen

Drucken Sie das Manuskript für den nächsten Durchgang aus und nehmen Sie einen Bleistift. Probieren Sie aus, ob Sie auf Papier anderes entdecken als am Bildschirm. Der Bleistift hat einen Vorteil: Jede Korrektur bleibt vorläufig, bis Sie sie übertragen.

Lesen Sie dann jedes Kapitel laut, in Ihrem normalen Tempo. Ihre Stimme stolpert dort, wo ein Satz zu lang ist oder ein Übergang fehlt. Auch Wiederholungen fallen beim Vorlesen schnell auf. Markieren Sie diese Stellen und lösen Sie sie auf. Oft genügt ein Punkt an der richtigen Stelle.

Fremde Augen

Irgendwann kennen Sie Ihren Text zu gut, um ihn noch zu sehen. Dann brauchen Sie Testleser. Geben Sie das Manuskript zwei oder drei Menschen aus Ihrer Zielgruppe und stellen Sie konkrete Fragen: Wo haben Sie aufgehört zu lesen? Wo waren Sie verwirrt? Was hätten Sie gern ausführlicher gehabt? Hören Sie zu, ohne sich zu verteidigen. Entscheiden Sie erst mit etwas Abstand, welche Hinweise Sie übernehmen.

Danach folgen zwei Arbeitsgänge, die Sie in fremde Hände geben sollten. Das Lektorat prüft Inhalt, Aufbau, Verständlichkeit und Stil. Das Korrektorat prüft Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Fragen Sie bei jedem Angebot nach, ob es beides enthält. Für das Korrektorat lohnt sich ein frisches Paar Augen, denn wer einen Text oft gelesen hat, übersieht Tippfehler leichter.

Ein Buch, das alle diese Stationen durchlaufen hat, ist nicht fehlerfrei. Aber es ist das beste Buch, das Sie in diesem Moment schreiben konnten.

Dieser Beitrag entstand mit Unterstützung von KI.

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